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200 Jahre Dürkheimer Lesegesellschaft

Die Ausstellung zeigte anhand von zahlreichen zeitgenössischen Dokumenten die bewegte Geschichte der Lesegesellschaft, die 1808 von 27 Dürkheimer Bürgern gegründet wurde. Das Besondere gegenüber den Salons früherer Zeiten bestand darin, dass sich nicht nur Bildungsbürger, sondern auch Handwerker, Gastwirte und Kaufleute hier zusammenfanden. Dabei war man nicht nur an Wissen und Bildung interessiert, sondern auch an politischen Themen. Die zumeist von liberalem Gedankengut geprägten Aktivitäten wurden von staatlicher Seite argwöhnisch beobachtet. Wie sehr der Staat diese politische Betätigung seiner Bürger überwachte, zeigt die Beschlagnahme des Werkes von Gottfried Künkel, „Klarheit ohne Dichtung“ 1854 durch den Polizeikommissar in der Dürkheimer Bibliothek.

Dennoch, oder gerade deswegen, erfreute sich die Lesegesellschaft großer Popularität. Ende des 19. Jahrhunderts besaß sie rund 100 Mitglieder, 1915 waren es sogar über 200 Personen. Alles, was in Dürkheim und Umgebung Rang und Namen hatte, war hier versammelt. Dazu gehörten u. a. die aus Deidesheim stammenden Friedrich von Bassermann-Jordan, Verfasser eines grundlegenden Werkes über die Geschichte des Weinbaus und Inhaber zahlreicher Ämter seines Berufsstandes, und Franz von Buhl, erster Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, der Heidelberger Professor Adolf Koch, Begründer des journalistischen Seminars, der Dürkheimer Heimatforscher Christian Mehlis sowie Dürkheims Bürgermeister Rudolph Bart.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg führten dazu, dass die Mitgliederzahlen stark zurückgingen. Das vorläufige Ende kam in der Zeit des Nationalsozialismus: 1937 waren nur noch 53 Mitglieder übrig geblieben. Diese konnten die Mittel zur Unterhaltung der Bibliothek und zur Bezahlung der Bücherbotin nicht mehr aufbringen. Deshalb wurde die Lesegesellschaft im November 1937 aufgelöst. Die Bücher gingen in den Besitz des Altertumsvereins über.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hälfte des Bestandes, ca. 3.000 Bände, an die Landesbibliothek in Speyer abgegeben, wo sie noch heute verwahrt sind. Die in Bad Dürkheim verbliebenen Bücher wurden neu katalogisiert und fanden 1984 im ehemaligen Lyzeum, dem heutigen Haus der Jugend, in der Kurbrunnenstrasse eine neue Bleibe. Mit Hilfe der Schlarb-Stiftung konnten eine adäquate Ausstattung angeschafft, zahlreiche Bücher restauriert und der Büchereibetrieb auf EDV umgestellt werden. Aus Dankbarkeit hat der Vorstand der Museumsgesellschaft Bad Dürkheim die Bücherei 1984 in „Schlarb-Bibliothek“ umbenannt. Nach langjähriger Leitung durch Heinz Reichardt wird die Bibliothek heute von Monika Eisenbarth geführt.

Die große Zeit der Lesegesellschaften im 18./19. Jahrhundert war zugleich das Zeitalter der Jahrbücher, Almanache und Zeitschriften. In den ersten Jahren wurden in Bad Dürkheim rund 10 verschiedene Zeitschriften gehalten. Dieser große Bestand konnte nicht fortgeführt werden. Ansonsten lag das Hauptgewicht bei den Anschaffungen auf Geschichtswerken, Reisebüchern, Biografien, Welt- und Völkerkunde, Wissenschaft und Literatur. Die in Bad Dürkheim verblieben Bücher und Zeitschriften sind eine wahre Fundgrube für alle, die sich für die geschichtlichen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts interessieren. Darüber hinaus findet sich reichliches Material zur Geschichte Bad Dürkheims und der näheren Umgebung. Dazu kommen Heimatliteratur, alte Landkarten und manche bibliophile Kostbarkeit.

Die Ausstellung „200 Jahre Dürkheimer Lesegesellschaft“ im Heimatmuseum Bad Dürkheim wurde am Sonntag, dem 10. Februar 2008, um 17.00 Uhr im Haus Catoir eröffnet.
Am Donnerstag, dem 14. Februar 2008, sprach Herr Dr. Vorderstemann, der ehemalige Leiter der Landesbibliothek Speyer, um 19.30 Uhr im Haus Catoir über „Bildung als bürgerliche Selbstdarstellung. Zur Geschichte der Dürkheimer Lesegeselleschaft von 1808“.
Zum „Tag der Offenen Tür“, lud die Museumsgesellschaft am Samstag, dem 16. Februar und am Sonntag, dem 17. Februar jeweils von 14 bis 18 Uhr, in die Schlarb-Biblithek in der Kurbrunnen-Strasse im Haus der Jugend gegenüber der Tourist Information. Am Donnerstag, dem 21. Februar um 19.30 Uhr fand im Museums-Keller ein Pfälzer Mundart-Abend statt.