Menu
Menü

Das außergewöhnliche Exponat Dezember 2013

Raritäten im Museum: Dezember 2013

Die Limburger Madonna

Zeugnis der Frühgotik
Die etwa 1,80 m hohe Statue aus Eichenholz stellt die Muttergottes dar, die auf ihrem linken Arm das segnende Jesuskind trägt. Die frühgotische Skulptur weist Ähnlichkeiten zu Freiburger und Straßburger Werken des ausgehenden 13. Jahr­hunderts auf und stammt aus der Zeit um 1300. Ursprünglich schmückte die Madonnenfigur die Klosterkirche der Abtei Limburg. Kurz vor deren Plünderung und Zerstörung 1504 versteckten Mönche sie in Grethen, wo sie in Vergessenheit geriet.
Nach über 300 Jahren entdeckte Pfarrer Phil­ipp Braun die beschädigte Statue 1842 auf dem Speicher der Kirche. Die Madonna gefiel ihm so gut, dass er sie im Tausch gegen eine andere Ma­riendarstellung von der Kirchengemeinde für sich persönlich erwarb.
Die Statue begleitete Braun zu all seinen späte­ren Pfarrstellen in der Pfalz. Angesichts ihres ho­hen Gewichts dürfte der Transport damals einige Mühe gekostet haben. In Maudach, der letzten Pfarrstelle Brauns, kam der Geistliche mit dem Frankenthaler Industriellen Friedrich Schanzlin in Kontakt. Der erwarb die Madonna im Tausch ge­gen einige Bilder. Über den Kunsthandel gelang­te sie schließlich nach Köln. Im September 1879 wurde sie bei einer Versteigerung zum Preis von 1310 Mark von der Pfarrei St. Maria im Kapitol erworben. Dort steht sie noch heute in der Kirche.
Schon einige Zeit zuvor war der Dürkheimer Gym­nasiallehrer und Heimatforscher Christian Mehlis auf das bedeutende Zeugnis der Bad Dürkhei­mer Geschichte aufmerksam geworden. Sein Spendenaufruf im „Dürkheimer Anzeiger“, der einen Ankauf der Madonna für den Dürkheimer Altertumsverein ermöglichen sollte, hatte keinen Erfolg gezeigt.
Bald nach 1879 wurde die Figur restauriert und die fehlenden Teile ergänzt. Dazu gehören die Krone der Maria und Teile ihrer rechten Hand. Ob sie tatsächlich einen Apfel hielt, ist nicht sicher, allerdings war dies ein vom 12. bis zum 15. Jahrhundert häufig verwendetes Attribut bei Darstellungen der Madonna mit Kind. Auch der fehlende Kopf und der linke Arm des Je­suskindes wurden ergänzt. Wie die anderen fehlenden Teile, waren auch sie offenbar bei der Rettungsaktion der Mönche im Wald ver­loren gegangen.
Nicht rekonstruiert wurde der goldene Heili­genschein des Jesuskindes. Zeitungsberichten aus den 1930er-Jahren zufolge wurde dieser von einem Musiker aus Grethen gefunden, der ihn im Februar 1867 in Dürkheim einschmel­zen ließ. Der Erlös von 80 Gulden brachte dem siebenfachen Familienvater kein Glück. Er betrank sich am Abend so sehr, dass er auf dem Heimweg in die eiskalte Isenach fiel und ertrank.

Zur 900-Jahrfeier der Limburg im Jahr 1930 konnte der Altertumsverein einen Abguss anfertigen lassen. Neben der Kopie für das Museum entstand auch eine für die Kirche St. Ludwig. So verfügt Bad Dürkheim heute über zwei Madonnen – wenn auch nicht das Ori­ginal.

Sie finden das außergewöhnliche Exponat des Monats Dezember im Limburg-Zimmer im Obergeschoss.

Das Museum ist dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. 

Der Eintritt ist frei.