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Das außergewöhnliche Exponat November 2013

Raritäten im Museum: November 2013

 

Die Totenkrone – symbolischer Hochzeitsschmuck fürs Jenseits
In lockerer Folge präsentiert das Museum der Stadt Bad Dürkheim besondere Stücke aus den Beständen der Stadt Bad Dürkheim und der Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e.V.
Im Monat mit dem viermaligen Gedenken an die Verstorbenen – Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag – präsentieren wir ein ungewöhnliches Zeugnis für eine Bestat­tungssitte, die heute völlig in Vergessenheit geraten ist.

Ehe als Lebenszweck
Christliche Moralvorstellungen prägten in der Vergangenheit das sozia­le Leben der Menschen viel stärker als heute. Von zentraler Bedeutung war dabei die Ehe. Nach Auffassung der Kirche lag in der ehelichen Gemeinschaft und der Gründung einer Familie der eigentliche Sinn und Zweck des Lebens. Wurde dieser Zweck nicht erfüllt, galt der Mensch in seinem profanen Leben als nicht vollkommen.

„Hochzeit“ im Tode
Angesichts dieses verbindlich anzustrebenden Idealbildes der Ehe ent­wickelte sich in der Bevölkerung ein ungewöhnlicher Bestattungsritus, der in der Zeit vom Ende des 16. bis zum 19. Jahrhundert, vereinzelt noch bis ins 20. Jahrhundert, in ganz Mitteleuropa bei vielen Pro­testanten und Katholiken gleichermaßen gebräuchlich war: die soge­nannten Totenhochzeiten. Vor allem Frauen, aber auch Männer, die unverheiratet verstarben – sogar Kinder im noch nicht heiratsfähigen Alter – wurden mit einer reich verzierten Totenkrone, bisweilen auch einem Totenkranz beigesetzt; beide Symbole spielten auf damals ge­bräuchlichen Hochzeitsschmuck an. Mit den Beigaben vollzog man ge­wissermaßen die Hochzeit im Tode nach.

Umstrittener Brauch
Was in der Bevölkerung sehr beliebt war, wurde von der geistlichen Obrigkeit als Aberglaube argwöhnisch betrachtet, die versuchte mit Verboten dem Brauch Einhalt zu gebieten, meist ohne Erfolg. Dies lag auch daran, dass die Pfarrer vor Ort angesichts der Wünsche ihrer Gemeinde der Sitte wohlwollend gegenüberstanden oder sie zumindest tolerierten.

Kostspieliger Kult
Ursprünglich waren die Totenkronen Grabbeigaben, die den Verstorbe­nen in die Hand gegeben oder neben den Kopf platziert wurden. Stifter waren meist die Eltern oder auch die Paten. Später wurde es üblich, solche Kronen und Kränze nach der Beerdigung in Schaukästen im Kirchenraum auszustellen, wo sie den Hinterbliebenen zur Erinnerung dienten.
Mit der Zeit wurden die Schmuckstücke immer aufwändiger gestaltet und dementsprechend teuer. Wer sich dies nicht leisten konnte, dem stand die Möglichkeit offen, eine Krone von der Kirche selbst auszulei­hen und nach der Trauerzeremonie wieder zurückzugeben.
Das Exemplar im Museum der Stadt Bad Dürkheim besteht aus ver­goldeter Messingfolie, Papier und Holz. Es war als Totenkrone einem Kind des Wachenheimer Burgvogts und Oberschultheißen Eckard von Wachenheim im Jahre 1745 mit ins Grab gegeben worden.

Sie finden das außergewöhnliche Exponat des Monats November im kleinen Durchgangszimmer des Obergeschosses. 
Das Museum ist dienstags bis sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.