| Jüdisches Leben in Bad Dürkheim |
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Ausstellung im Heimatmuseum Bad Dürkheim im Haus Catoir verlängert bis 01. Februar 2009
Kennen Sie Rosa Maas? Die Opern- und Konzertsängerin, 1858 als Spross einer jüdischen Familie in Dürkheim geboren, war viele Jahre auf den Bühnen der Welt unterwegs. München, London und Paris waren nur einige Stationen ihres Lebensweges. Mit 47 Jahren kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück, um sich hier ihren lang gehegten Traum zu verwirklichen und Bad Dürkheim ein Stück Kultur zu geben, das über die Region hinaus für viele Jahre zum guten Renommée der jungen Kurstadt beitragen sollte: 1909 rief sie die Festspiele Limburg-Hardenburg ins Leben, die sich als ein voller Erfolg erwiesen und die sie bis 1927 mit ihrer ganzen Kraft leitete.
Nicht nur die Geschichte der Rosa Maas ist ein Beleg dafür, wie weit die Integration der jüdischen Bürger an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert fortgeschritten war. Anhand vieler weiterer Beispiele versucht die Ausstellung zu zeigen, in welch besonderem Maß sich Mitglieder der Bad Dürkheimer jüdischen Gemeinde um ihre Heimatstadt verdient gemacht haben: Jonathan Gernsheim, passionierter Sammler und Heimatforscher, gehörte 1871 zu den Gründern des Altertumsvereins und war der erste Museumsleiter und Kustos der Sammlung; Ludwig Strauß, Stadtratsmitglied und Synagogenvorstand, war Lehrer an der Bärmannschule, Vorsitzender des Gewerbevereins sowie langjähriger Dirigent der Liedertafel; Dr. Veit Kaufmann, hochangesehener Arzt und Schüler von Rudolph Virchow, war 1894 Mitbegründer der Pfälzischen Kinderheilstätten und ermöglichte so Tausenden von kranken Kindern bedürftiger Eltern den notwendigen Kuraufenthalt in Bad Dürkheim.
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dürkheim, eine der ältesten der Pfalz, reicht jedoch viel weiter zurück. Als Sitz des Bezirksrabbiners Dürkheim-Frankenthal kam ihr eine herausragende Stellung in der Region zu. Zentrum der aufblühenden und selbstbewussten Gemeinschaft war die 1749 erichtete Synagoge. Das Gebäude an der Ecke Wachenheimer Straße und Entengasse war mit aufwendiger Malerei reich verziert und mit Ornamentfenstern ausgestattet. Besonders im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich ein aktives Gemeindeleben. Nicht ohne Stolz stellte 1920 der damalige Synagogenvorstand Ludwig Strauß in einem kleinen Buch diese erfreuliche Entwicklung seiner Gemeinde vor.
Die Ausstellung macht aber auch deutlich, wie schnell die Ausgrenzungs- und Diskriminierungspolitik der Nationalsozialisten ihre fatale Wirkung zeigte. Auch in Bad Dürkheim wurde die jüdische Bevölkerung durch die Reichsgesetze allmählich ausgegrenzt. Wenige gingen rechtzeitig in die Emigration, der große Teil wurde einige Jahre später deportiert und ermordet. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde auch die Dürkheimer Synagoge geplündert. Bis zur Zerstörung durch die alliierten Bombenangriffe am 18. März 1945 diente der Bau als Redaktionsbüro der Zeitung „NS-Rheinfront“.
Exponate aus dem Bestand des Heimatmuseums, dem Stadtarchiv Bad Dürkheim, dem historischen Museum der Pfalz sowie von privaten Leihgebern vermitteln einen Einblick in das jüdische Alltagsleben in der Region Bad Dürkheims von den Anfängen bis zu ihrem Ende in der Zeit der NS-Herrschaft. In Kurzbiografien werden die Mitglieder der jüdischen Gemeinde vorgestellt, die sich besondere Verdienste um ihre Heimatstadt erworben haben. Eine Abteilung widmet sich dem Schicksal der jüdischen Bürger während der NS-Diktatur. Veranstaltungsprogramm: Sonntag, 08.06.2008, 17.00 Uhr Ausstellungseröffnung durch Bürgermeister Wolfgang Lutz
Freitag, 11.07.2008, 16 Uhr Besuch eines jüdischen Gottesdienstes Synagoge in Mannheim
Sonntag, 17.08.2008, 17 Uhr Konzert: Klezmer Abend Kulturzentrum Haus Catoir
Mittwoch, 03.09.2008, 16 Uhr »Ich bin was ich bin« – jüdische Kinder in Deutschland heute Stadtbücherei und Heimatmuseum
Donnerstag, 02.10.2008, 19.30 Uhr Vortrag: »Traditionelles jüdisches Leben« Kulturzentrum Haus Catoir
Donnerstag, 23.10.2008, 19.30 Uhr Vortrag: »Die Bibel – Heilige Schrift für Juden und Christen« Dürkheimer Haus
Mittwoch, 05.11.2008, 18 Uhr »Vergesst die Namen nicht!« – vom Schicksal jüdischer Kinder und Jugendlicher im Dritten Reich Stadtbücherei und Heimatmuseum
Freitag, 07.11.2008, 20 Uhr Konzert: Avodad Hakodesc (Ernest Bloch) Burgkirche
Sonntag, 09.11.2008, 17 Uhr Konzert: Requiem von Gabriel Fauré Schlosskirche
Heimatmuseum Bad Dürkheim – Haus Catoir Römerstraße 20 67098 Bad Dürkheim Öffnungszeiten: dienstags–sonntags 14–17 Uhr und nach Vereinbarung. Telefon: 06322/791371 E-Mail: heimatmuseum@bad-duerkheim.de
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