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Mundpropaganda zahlt sich aus
Nach Ostern starten die 17. Orchestertage in der Dürkheimer Musikschule - Abschlusskonzert im Kurhaus
Bad Dürkheim. „Machst du dieses Jahr auch wieder bei den Orchestertagen mit?" So oder so ähnlich mag die Buschtrommel unter den jungen Orchestermusikern aus unserer Region geklungen haben. Und dass diese immer am besten funktioniert, das weiß auch Frank Metzger, der Leiter der Musikschule Bad Dürkheim. Auf diese Weise begeistern und gewinnen Teilnehmer der vergangenen Orchesterfreizeiten ihre ebenfalls Instrumente spielenden Freunde, Schulkameraden oder Bekannte für ihr Projekt.
Trotzdem werden die Orchestertage der Stadt Bad Dürkheim, die in diesem Jahr zum 17. Mal stattfinden, als Orchesterfreizeit für junge Musikerinnen im Alter ab zirka zwölf Jahren natürlich auch öffentlich ausgeschrieben. Heuer finden sie vom 14. bis 18. April wieder im Haus Catoir statt. Nachdem die Musikschule des Saale-Holzland-Kreises, langjähriger Partner der Musikschule Bad Dürkheim bei den Orchestertagen, 2007 ausstieg, war Frank Metzger gezwungen, neue Wege zu gehen. Und er setzte - da das Gute eben oft in der Nähe liegt - 2008 erstmals sehr erfolgreich auf die Zusammenarbeit mit anderen Musikschulen aus unserer Region. So konnte er bereits im November 2008 bei den regionalen Verbandssitzungen der Musikschulen erste Streichernoten des diesjährigen Programmes austeilen und so seine Lehrerkollegen für das anstehende Projekt ins Boot holen, zusätzlich zur „schüler-internen Buschtrommel".
Unter der bewährten, künstlerischen Leitung von Thomas Nutzenberger, Pianist und Lehrer an der Musikschule Bad Dürkheim, werden auch dieses Jahr wieder neue Orchesterstücke erarbeitet. Doch diesmal wird auch ein Chor für die Aufführung von Auszügen aus einem Musical gebraucht. Dazu will Cristina Bravo, Gesangspädagogin an der Musikschule Bad Dürkheim, Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und 15 Jahren gewinnen. Wer also kein Instrument spielt und trotzdem einmal die besondere Proben- und Konzertatmosphäre schnuppern möchte und natürlich gerne singt, ist hier genau richtig. Im zweiten Teil des Konzertes sollen nämlich Ouvertüre und 2. Akt aus „König Keks" von Peter Schindler und Babette Dietrich (ein „süßes, scharfes" Musical für Kinder unter 100) aufgeführt werden. Der erste Konzertteil ist klassischen Orchesterwerken vorbehalten. Es werden die Ouvertüre zur Oper „Il mondo della Luna" von Joseph Haydn, die „Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi in einer Bearbeitung von Stefan Taupe und „Five courtly dances from Gloriana" von Benjamin Britten zu hören sein. Ein sicher kurzweiliges Programm. Doch dies will erst erarbeitet werden, damit aus bisherigen, musikalischen „Einzeltätern" ein homogener Klangkörper werden kann. Dies wird die eigentliche, künstlerische Herausforderung in der Woche nach Ostern sein. Krönung des Projektes soll am Samstag, 18. April, um 17 Uhr das Abschlusskonzert im Kurhaus sein.
Die Anmeldungslisten für das Vorhaben sind gut gefüllt. Zu den Schülern der Musikschule Bad Dürkheim stoßen Jungmusiker aus den Musikschulen Grünstadt, Haßloch, Frankenthal, Worms und Ludwigshafen, dazu gibt es Einzelanmeldungen, eine sogar aus Ulm, insgesamt knapp 50 Teilnehmer, dazu noch knapp zehn Sängerinnen. Einen Ausgleich für die viele „Kopf"-Arbeit braucht es nach langen Proben natürlich auch. Dazu wird am Donnerstagnachmittag ein Ausflug über das „Kaffemühl"che" bis an die Wachtenburg stattfinden. Natürlich werden auch gemeinsame Mahlzeiten eingenommen, deren Zubereitung wie immer in bewährten Händen liegen. Frühstücks- und Kaffeepausen sollen zur Stärkung, zum Austausch und zumKennenlernen genutzt werden. Teile des Lehrerkollegiums der Musikschule, Mitglieder des Förderkreises, Eltern und Freunde sorgen für das Wohlergehen der jungen Künstler. Unterstützen und dadurch teilhaben an erfolgreicher, musikalischer Arbeit will wieder ein renommiertes Gespann von Sponsoren, ohne die heute ja nichts mehr geht. (twg) POESCHH Die Rheinpfalz 8. April 2009
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Zwischen Kakophonie und Konzentration
Ortstermin: Beobachtungen von den Dürkheimer Orchestertagen im Haus Catoir - Morgen Konzert im Kurhaus
Von Annette Weigert
Bad Dürkheim. Eigentlich sind ja Osterferien, doch im Konzertsaal im Haus Catoir geht es bereits um neun Uhr früh hoch her. Ausgelassenes Stimmengewirr schallt aus den geöffneten Türen, Jugendliche mit Instrumententaschen eilen herbei, begrüßen Freunde und Mitstreiter bei den 17. Orchestertagen der Stadt Bad Dürkheim. Endlich ist wieder Orchesterfreizeit! Der ein oder andere Neuling steht noch etwas ratlos in dem fröhlich-aufgeregten Durcheinander, und so mancher Elternteil gibt letzte, besorgte Ratschläge. Doch dann geht es plötzlich ganz schnell.
Frank Metzger, Leiter der städtischen Musikschule, begrüßt die angehenden Orchestermusiker, erklärt die Orchestersitzordnung, überprüft die Anmeldelisten, streut Infos in die Runde, verabschiedet Eltern und und und .... Endlich kehrt Ruhe in den Bienenschwarm ein, als der Orchesterleiter Thomas Nutzenberger eintrifft und seine Ehefrau, die Gesangspädagogin Cristina Bravo, ihre Sänger um sich schart, um in einem anderen Probenraum zu üben. Einige alte Hasen und Schlaumeier unter den Teilnehmern haben sich bereits vorher im zur Essenzentrale umfunktionierten „Kunstkeller" leiblich gestärkt.
Die Sängerinnen und Sänger um Cristina Bravo arbeiten an Liedern des Musicals „König Keks', die beim Abschlusskonzert am Samstag im zweiten Teil aufgeführt werden sollen. Alle haben bereits im Vorfeld Noten und Texte bekommen, die Solisten ihre Stücke bereits vorgeprobt. Nun gilt es, die Handlung im Ablauf verstehen zu lernen, Texte erstmal zu sprechen und auch schon szenisch anzudeuten - und das möglichst auswendig! Und natürlich die Lieder singend einzustudieren, während die Chorleiterin am Klavier unterstützt. Bei den Solisten wird an sängerischer Haltung und am darstellerischen Ausdruck gefeilt, die anderen fungieren derweil als Publikum. Musikschullehrerin Amrei Wipfler ist dann als Klavierrepetitorin dabei, Spaß haben alle, denn die Figuren des Musicals sind urkomisch. Wie gut diese Vorarbeiten gediehen sind, wird sich dann oben im Konzertsaal erweisen, wenn die Sänger sich mit dem Orchester vereinen.
Im großen Saal fügt Thomas Nutzenberger derweil die Einzelmusiker zu Orchestergruppen, sprich Streicher und Bläser, zusammen, um diese zu einem harmonischen Ganzen zu formen. Doch natürlich steckt die Tücke im Detail! Man übt auch am Musical „König Keks'. Die vielen rhythmischen Varianten sind ganz schön knifflig, aber Benjamin Grothe am Schlagzeug macht seine Sache gut. Die Streicher kämpfen mitunter mit den vielen Vorzeichen der Noten (sieben Bs!) und Tonartwechseln, während die Blechbläser mit ihren deftigen Klangfarben protzen.
Heiterkeit kommt immer dann auf, wenn die Frage auftaucht, ob auch alle bei der richtigen Taktzahl zu spielen begonnen haben. So manche Orchesterkakophonie sorgt für verlegenes Grinsen. Bei der Ouvertüre zu Joseph Haydns „Il mondo della Luna' achtet der Dirigent auf korrektes Tempo, klärt rhythmische Detailfragen mit den Holzbläsern, mahnt zu mehr Dynamik, probt Echowirkungen, harmonisiert die Sechzehntelpassagen der Violinen, fördert die Klangfarben von Violen und Celli und lässt die Tonsauberkeit in den ersten und zweiten Geigen überprüfen. Um sich gezielt den Fragen und Problemen einzelner Musiker widmen zu können, überreicht er auch mal seinen Taktstock an Cellistin Naomi Miller weiter. Ebenso bittet er die Schüler, ihre ureigenen Unsicherheiten in der Freizeit nachzuarbeiten. Bald ist der Probenraum geschwängert von Konzentration und leider auch verbrauchter Luft.
Deshalb sind alle Pausen überaus begehrt und beliebt, zumal die wieder reichlich gesponserten Speisen und Getränke das „Auftanken' erleichtern. Danach proben alle „König Keks', diesmal gemeinsam im großen Saal und mit Mikrofon-Anlage für die Sänger. Diese plagen noch diverse Berührungsängste mit der Technik. Aber sie werden zunehmend selbstsicherer und bieten dem sehr großen Orchesterkörper durchaus Paroli. Alle ergötzen sich an der lieblichen Oliva Pfefferkorn (Amelie Brehm) und ihrer standhaften Liebe zu Prinz Nougat, der rhythmischen Vielfalt des Orchesterparts, dem strengen Brautvater Baron Pfefferkorn (Henrik Nutzenberger) und dem hemdsärmeligen Charme der potentiellen Freier um die holde Oliva, wie der Ritter Metzel von der Schlachtplatte, der Gulaschkanonenbaron (Jeremias Pfeiffer) oder auch der Sultan Curry-Muskat von den Safraninseln (Milan Reiser). Die Umsetzung der populären, lautmalerischen Effekte sorgen für kurzweiliges Musizieren am Ende eines langen, fordernden Probentages. Alle Mühen werden freilich erst belohnt, wenn morgen im Kurhaus besonders viele Zuhörer, darunter hoffentlich viele Kinder und Jugendliche als Publikum für den nötigen Beifall sorgen.
Info Das Abschlusskonzert der Orchestertage findet morgen, Samstag, um 17 Uhr im Kurhaus Bad Dürkheim statt. Der Eintritt ist frei.
Die Rheinpfalz, 17. April 2009
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Der „gute Geist" hat viele Gesichter Bad Dürkheimer Orchestertage enden nach umfangreicher Probenarbeit mit einem fulminanten Konzert im Kurhaus
Von Annette Weigert
Bad Dürkheim. Der „gute Geist" der Orchestertage der Stadt Bad Dürkheim hatte auch dieses Jahr wieder viele Gesichter - und doch mündeten wieder alle seine segensreichen Taten in eine großartige Abschiedsvorstellung, die am Samstagabend im großen Kursaal des Kurhauses in Bad Dürkheim fast drei Stunden lang die Zuhörer begeisterte, ja entfesselte.
Die Atmosphäre, sich der musizierfreudigen Jugendlichen ernsthaft anzunehmen, ihre Probleme wie ihre Freuden mitzuerleben, sie zu fördern und zu bestätigen, - nicht mit dem dozierend erhobenen Zeigefinger, sondern von Musiker zu Musiker und von gleich zu gleich - das war die motivierende Kraft, die alle auf das Schönste verband und vorantrieb, eben der „gute Geist" der Orchestertage Bad Dürkheim.
Und so konnte, was am Dienstag bei Probenbeginn noch einigermaßen schräg und unkoordiniert daherkam, in dem inspirierenden Klima eigentlich nur wachsen, reifen und wie eine Blume im Frühling erblühen, auf vielfältigste Weise „gedüngt und gegossen". An der Spitze dieser Kräfte standen unstrittig Orchesterleiter Thomas Nutzenberger und Gesangspädagogin Cristina Bravo, die unermüdlich in insgesamt 22,5 Stunden ein gelungenes Konzertprogramm mit den knapp 55 Jugendlichen erarbeiteten. Darunter befanden sich auch Satzproben, wo das Orchester in Teilbereiche wie Bläser, hohe und tiefe Streicher geteilt wurde, um instrumentalspezifische Probleme anzugehen, die den Gesamtklang des Orchesters merklich voranbrachten. Genauso lange und intensiv probten die Sänger.
In den treffenden Grußworten von Kulturdezernentin Heidi Langensiepen wurde noch einmal die Freude an gemeinsamem Musizieren thematisiert, und Musikschulleiter Frank Metzger betonte, wie wichtig die Förderung durch gemeinschaftliche, künstlerische Aktivitäten angesichts gewaltbereiter Jugendlicher in unserer Zeit ist.
Nachdem im Kursaal weitere Sitzmöglichkeiten für die vielen Besucher des Konzertes bereitgestellt waren, eröffnete das Orchester mit Joseph Haydns Ouvertüre zur Oper „Il mondo della Luna" (herausgegeben von Hellmut May) das Konzert. Ein bemerkenswert gereifter Streicherklang umfing die Zuhörer, behauptete sich gegen die voluminösen, aber gebremst agierenden Bläser und das Orchester insgesamt hielt ein gepflegtes, achtbares Tempo durch. Bei den „Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi in einer Bearbeitung von Stefan Taupe waren zwar noch nicht alle Einsätze optimal, aber der Orchesterapparat fand zu feinen dynamischen Abstufungen (ja, auch Bläser können piano spielen!), besonders beim „Frühling". Beim „Sommer" gefielen die flirrenden Geigen und das „stürmische Sommerwetter", was wohl Erfahrungen vom vorangegangen Wandertag zur Wachtenburg widerspiegelte (die Jugendlichen waren nämlich kräftig nass geworden!).
Der „Herbst" war sehr plastisch herausgearbeitet, sehr gut gelangen die schwebenden Bratschen beim „Tanz der Landleute". Auch der schwierige Beginn des „Winters" wurde gemeistert. Kleinere Unaufmerksamkeiten waren eher manchem Überengagement denn echten Nachlässigkeiten zuzuschreiben. Die anspruchsvollen „Five courtly dances from Gloriana" (arrangiert von David Stone) von Benjamin Britten erwiesen sich als höhepunktreicher Schluss des ersten Teiles. Viel britische Klangfarbe und Lokalkolorit mit komplexen Rhythmen entzückte das Publikum; hier war auch das Schlagzeug hervorzuheben. Beweglich erklang der „Morris Dance" und mündete in eine tolle Überleitung zum „La Volta".
Mit dem sprichwörtlichen „Mut spanischer Stierkämpfer, der Ruhe und Gelassenheit buddhistischer Mönche und der Präzision eines Schweizer Uhrwerkes" tauchten alle Beteiligten in die Interpretation des zweiten Aktes des Musicals „König Keks" von Peter Schindler (Musik) und Babette Dietrich (Texte) ein. Hier glänzten die aufs Beste präparierten Sänger von Cristina Bravo. Auswendig erspielten und ersangen sie sich die Herzen der Zuhörer. Über Berührungsängste mit Auftrittssituation, dem festlichen Ambiente des Kurhauses und der Mikrofon-Anlage hinauswachsend, entwickelten sie eine bezaubernde Romeo und Julia-Geschichte im Spannungsfeld zwischen süßem Nougat-Krokant-Kekskönigtum und chilipikanter Pfeffer-Baronie.
Auch wenn die Musik und die populären Rhythmen Wiedererkennungswert hatten, boten sie für die jugendlichen Künstler ein perfektes Betätigungsfeld. Der Schlagzeuger, aber vor allem die Bläser konnten zeigen, was sie „drauf" hatten. Das ließen sich aber auch die Streicher nicht zweimal sagen.
Doch die Stars waren die Sänger. Zauberhaft Amelie Brehm als Oliva in ihrer unerschütterlichen Ablehnung ihrer zahlreichen Freier, Anna Reitnauer mit ihrer warmen Altstimme, der souveräne Pfefferbaron Henrik Nutzenberger, der unnachahmliche Jeremias Pfeiffer in zwei Freier-Rollen und als niesender Gelatino, der majestätische König Keks Sebastian Ramisch (tolles Duell in „Sie sind schuld"), der sich großartig steigernde Milan Reiser als „böses Brösel" und natürlich der harmonische, klangschöne Gummibärchen-Chor. Der Beifall sprengte danach alle Grenzen und der Kurhaussaal stand Kopf. POESCHH Die Rheinpfalz, 20. April 2009
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