Die Rheinpfalz – Kultur Regional, vom 29.04.2011
Orchester statt Osterferien Dafür lassen 85 musikbegeisterte Schüler aus Bad Dürkheim und dem weiteren Umland die letzte Osterferienwoche sausen: Die Orchestertage der Stadt Bad Dürkheim bieten zum vierten Mal die Chance, bei einer großen Konzertaufführung mitzuwirken.
Von Doris Aust
Bad Dürkheim. Ohne tatkräftige Unterstützung des Förderkreises der Dürkheimer Musikschule, der Eltern und Lehrer wäre es nicht möglich, Kindern und Jugendlichen diese kostenlose Freizeit zu ermöglichen. So kann man diese Woche im Haus Catoir Kuchen anliefernden Müttern begegnen und Lautsprecher tragende Helfern sehen. Viele Sponsoren halten diese Aktion für unterstützenswert und erkennen mit ihrem Beitrag die Leistung aller Beteiligten an.
Thomas Nutzenberger, Leiter der Orchestertage, und Christina Bravo, die für das Gesangsensemble zuständig ist, haben einen straffen Probenplan aufgestellt. „Die Schüler proben hier doppelt so viele Stunden wie Profimusiker”, bestätigt Musikschulleiter Frank Metzger. Beginn ist von Dienstag bis Freitag jeden Morgen um 9.15 Uhr, Ende 18.30 Uhr. Dazwischen gibt es eine erholsame Mittagspause, die von vielen doch wieder mit Musik gefüllt wird, denn jeder will dem anderen zeigen, wie er spielen kann. Die gemeinsame Kaffeepause wird schon eher zum Luftholen und Kuchenessen genutzt. Ein halber Tag ist für einen Ausflug eingeplant.
Der Andrang war so groß, dass einigen Teilnehmern abgesagt werden musste, eine sinfonische Besetzung kann nicht beliebig viele Instrumente verkraften: Mit 14 Celli sind es doppelt so viele wie sonst, dazu kommen 29 Streicher, zwei Kontrabässe, 23 Bläser (davon drei Hörner) zwei Schlagwerke und 17 Sänger. Im ersten Teil des Konzerts hat das Orchester seinen großen Auftritt. „Das Klavierkonzert von Robert Schumann ist schon eine Herausforderung für die Solistin und das Orchester”, sagt Thomas Nutzenberger. Aber die 14-jährige Luise Thomas aus Ludwigshafen ist mehrfache Preisträgerin bei Klavierwettbewerben und bringt das nötige Können mit. Genau wie die anderen Musikschüler aus Worms, Frankenthal, Neustadt, Karlsruhe und dem Landkreis Bad Dürkheim. Dazu zählt auch Maximilian Schubert aus Ludwigshafen. Der Jugend-musiziert-Preisträger ist zum vierten Mal als Posaunist dabei, „weil es einfach Spaß macht, im Orchester zu spielen”, so der 15-Jährige.
Die Sängergruppe um Christina Bravo tritt im zweiten Teil des Konzerts auf und bringt Auszüge aus dem neuen Musical „Zircus Furioso” von Peter Schindler, das vielen Mitwirkenden Gelegenheit gibt, sich solistisch vorzustellen. Einer von ihnen ist der zwölf Jahre alte Jeremias Pfeiffer. „Mit drei f”, wie er schelmisch sagt. Der Wachenheimer hat seit drei Jahren Gesangsunterricht bei Christina Bravo und ist so talentiert, dass er vom Förderkreis der Musikschule eine Begabtenförderung erhält. Lohn war ein erster Preis bei „Jugend musiziert”. Pfeiffer ist bereits ein „alter Hase”, weil er bei den beiden letzten Musical-Aufführungen mehrere Solo-Partien gesungen hat.
Damit die Eltern nachvollziehen können, was sich während der Orchesterfreizeit abspielt, ist Förderkreis-Vorsitzender Thomas Gerstenhöfer auf die Idee gekommen, einen Fotografen zu suchen, der für den Tag des Abschlusskonzerts eine Bilderschau gestalten soll. Gefunden hat er Felix Bergner, Schüler am Technischen Gymnasium in Neustadt. Der 18-Jährige besucht dort den Leistungskurs Mediengestaltung und ist jetzt jeden Tag im Haus Catoir bei den Proben und den Pausen dabei, um ein fotografisches Stimmungsbild einzufangen. Gezeigt wird es morgen um 16 Uhr vor dem Konzert, das um 17 Uhr in der Burgkirche beginnt und mit einem großen Abschlussfest endet.
Die Rheinpfalz – Kultur Regional, vom 3.05.2011 Artistische Musiker Viel Beifall beim Abschlusskonzert der Orchestertage Bad Dürkheim in der Burgkirche
Von Doris Aust
Bad Dürkheim. „Furioso” - Das Abschlusskonzert der Orchestertage der Stadt Bad Dürkheim machte dieser Bezeichnung am Samstagabend in der Burgkirche alle Ehre. Thomas Nutzenberger und Christina Bravo haben in der diesjährigen Orchesterfreizeit mit den Musikschülern ein Konzert höchster Qualität erarbeitet.
Kulturdezernentin Heidi Langensiepen fasst das Werden dieser musikalischen Freizeit, die nun im vierten Jahr unter der Bezeichnung „Orchestertage der Stadt Bad Dürkheim” besteht, zusammen: „Das Orchester ist mittlerweile so groß geworden, dass wir 2012 ein Zirkuszelt auf dem Wurstmarktplatz aufstellen müssen, um dem Ansturm gerecht zu werden”, sagt sie. Nicht nur im Saal, auch auf der Bühne herrscht drangvolle Enge.
68 junge Musiker gehen auf ihre Plätze, begleitet von lebhaftem Beifall. Konzertmeisterin ist Mareike Enß, 14 Jahre alt, mehrfache Preisträgerin bei „Jugend musiziert”. Dirigent Thomas Nutzenberger erhebt den Taktstock zum klassischen Anfang, Beethovens „Ode an die Freude”. Da agiert das junge Orchester noch verhalten, hoch konzentriert und diszipliniert folgen die Musiker ihrem Dirigenten. Am Ende des Stücks sind alle erleichtert: Die erste Hürde ist genommen. Es folgt das „Divertimento ritmico” von Friedrich Zehm, eine zeitgenössiche Komposition, die prägnant und rhythmisch Samba und Bolero als Thema verwendet. Und wieder meistern die jungen Musiker auch diesen Part.
Der Höhepunkt des ersten Teils ist der erste Satz des Klavierkonzerts in a-moll von Robert Schumann. Dieses Werk lässt Klavier und Orchester gleichermaßen Raum, den romantischen Eindruck der Komposition wiederzugeben. Die 14-jährige Luise Thomas beeindruckt durch eine hochklassige Leistung am Klavier in voller Harmonie mit dem Orchester. Nahezu atemlos verfolgt das Publikum die Darbietung und lässt die junge Pianistin nicht ohne Zugabe von der Bühne. Luise Thomas hat seit ihrem siebten Lebensjahr Klavierunterricht bei Thomas Nutzenberger und bereits zwölf Wettbewerbe gewonnen. Für dieses Konzert hat sie erstmals einen Solopart einstudiert und ihn mit großer Bravour gemeistert. Das Orchester steht dieser Leistung in nichts nach.
Nach der Pause geht es mit Ausschnitten aus dem Musical „Zirkus Furioso” von Peter Schindler weiter, und sofort reißt die Musik das Publikum mit. Die Musiker entfachen ein musikalisches Feuerwerk, das jedes Zirkusorchester vor Neid erblassen ließe. Wer hätte geglaubt, dass eine sinfonische Besetzung wie eine Big Band klingen kann, wenn sie den Song vom „Messerwerfer Jack” im Swing-Rhythmus begleitet? Der gemischte 16-köpfige Chor, geleitet von Christina Bravo, hat hörbar Spaß an den witzigen Texten und schwungvollen Melodien. „Fakir Fanfalo”, „Seiltänzerin Graziosa” und „Harry Houdini” lassen Zirkusatmosphäre aufkommen und entführen mit „Seifenblase riesengroß” und echten Seifenblasen in eine zauberhafte Stimmung, die mit nicht enden wollendem Beifall bedacht wird.
„Es hat allen großen Spaß gemacht”, versichern Teilnehmer, Helfer und Organisatoren der Orchesterfreizeit. Musikschulleiter Frank Metzger hebt dabei hervor, dass allein 15 Lehrer der Musikschule ihren Urlaub geopfert haben, um Satzproben abzuhalten oder bei der Essensausgabe zu helfen. Auch für Gabriele Weiß-Wehmeyer war es als Fördermitlglied selbstverständlich, statt zum Taktstock zur Spülbürste zu greifen.
Damit es für alle in schöner Erinnerung bleibt, hat Thomas Gerstenhöfer vom Förderkreis einen jungen Fotografen verpflichtet, der alle Aktionen in dieser Zeit im Bild festgehalten hat. Eine „Vorschau” gab es vor dem Konzert, ein Teil der Fotos wird künftig den Internet-Auftritt des Förderkreises schmücken.
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