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Viele Ideen für nachhaltiges Mobilitätskonzept gesammelt

„Mit dieser Ideenwerkstatt wollen wir einen Anlauf nehmen für das, was wir uns für das kommende Jahr vorgenommen haben: die Erstellung eines klimafreundlichen Mobilitätskonzeptes“ begrüßte Bürgermeister Christoph Glogger die rund hundert Bürgerinnen und Bürger, die am Mittwoch der vergangenen Woche zur Ideenwerkstatt in die Brunnenhalle gekommen waren.

Glogger freute sich über die rege Beteiligung, denn man wolle zunächst möglichst viele Ideen und Material sammeln, „die wir dann „in Scheibchen geschnitten“ im nächsten Jahr erarbeiten“. Danach werde es die entsprechenden Beschlüsse des Stadtrates bzw. der Ausschüsse geben. Die Entscheidung, Bad Dürkheim nachhaltig mobil zu machen, hatte der Stadtrat bereits in diesem Jahr getroffen. Demnach wird das Mobilitätskonzept Teil eines Klimaschutzkonzeptes sein, das ebenfalls erstellt werden solle. „Wir wollen uns hier in Bad Dürkheim engagieren, weil Klimaschutz nur funktioniert, wenn er lokal stattfindet“, zeigte sich der Bürgermeister überzeugt. Mobilität sei ein großes, aber auch ein sehr emotionales Thema, so seine Einschätzung.

Verkehrsplaner Dr.-Ing. Ralf Huber-Erler vom Büro R+T Ingenieure für Verkehrsplanung aus Darmstadt führte mit einem Impulsvortrag in das Thema ein. Zunächst einmal müsse man sich die Daten zum Klima anschauen. Klimaverträglich seien zwei Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf im Jahr. Betrachte man das Jahr 2015, so lag die Pro-Kopf-Emission in Deutschland bei 8,93 Tonnen. Damit blieb Deutschland zwar deutlich unter den Werten der USA, wo es 15,53 Tonnen pro Kopf waren, aber auch deutlich über der Schweiz, deren CO2-Pro-Kopf-Emission bei 4,51 Tonnen im Jahr lag.

Deutschland habe sich verbindliche Klimaziele gesetzt, so Huber-Erler weiter. Demnach sollen die CO2-Emissionen gegenüber 1990 bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent gesenkt werden, 40 Prozent allerdings schon bis zum Jahr 2020. Immerhin habe man bisher bereits 27,7 Prozent geschafft, aber um die angestrebten 40 Prozent Einsparung bis zum Jahr 2020 hinzubekommen, müsse man sich anstrengen. Im Bereich Verkehr sei die Reduzierung der CO2-Emissionen mit gerade einmal 2,6 Prozent sehr gering ausgefallen, deshalb bedürfe es in diesem Bereich deutlich größerer Anstrengungen. Allerdings, so betonte Huber-Erler, sei Verkehr etwas ganz Wichtiges in der Stadt, Mobilität werde benötigt für das Arbeiten, die Wirtschaft, die Bildung, das Einkaufen und für die Freizeit. Deshalb wolle man Mobilität erhalten und nicht abschaffen. Ein wichtiges Ziel sei es aber, den CO2–Ausstoß deutlich zu reduzieren.

Vergleiche man PKW-Benziner, PKW-Diesel und Elektroautos, so stelle man fest, dass sich alle drei momentan beim Aspekt CO2-Emissionen kaum unterscheiden. Auf der einen Seite sei das E-Auto in der Bilanz heute nicht besser als Benziner oder Diesel, aber das E-Auto biete die Perspektive besser zu werden. Noch immer werde der Großteil des Stroms mit Kohle, Gas und Kernkraft produziert. Bei der Verwendung von regenerativ hergestelltem Strom falle die Bilanz für das E-Auto deutlich besser aus. Deshalb sei es wichtig, dass Städte in die E-Mobilität der Zukunft investieren.

Beim Kfz-Verkehr wolle man Autos nicht verbieten, aber Anregungen liefern, in der Stadt auf einige Fahrten zu verzichten. Für das Mobilitätskonzept gelte es, Überlegungen zur Verkehrslenkung und zu Geschwindigkeitsregelungen anzustellen. Auch mit dem Parken müsse man sich beschäftigen, eventuell werde ein Parkleitsystem eine Rolle spielen.

Der Lieferverkehr sei ebenfalls ein Stichwort, über das man nachdenken müsse, denn die Innenstädte würden heute von immer mehr Lieferfahrzeugen angefahren. Ein Lösungsansatz könne sein, in diesen Bereichen mit dem Lastenfahrrad auszuliefern.

Ein größeres Problem als der innerstädtische Verkehr stelle der Quell-Zielverkehr dar, was der Verkehrsplaner am Beispiel der Stadt Lindau veranschaulichte.

Die junge Generation habe nicht mehr so viele Fahrzeuge wie Menschen im mittleren Lebensalter, Mobilität werde bei den Jungen oftmals mit dem Smartphone organisiert. Für ältere Menschen hingegen spiele Barrierefreiheit eine große Rolle, die ebenfalls bei der Erstellung des Mobilitätskonzeptes bedacht werden müsse.

Beim Thema Radfahren habe Bad Dürkheim schon einiges getan. Als Beispiele führte Huber-Erler die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung oder die Befahrbarkeit der Innenstadt mit Fahrrädern an.

Dass es durchaus noch weitere Ideen geben könne, machte der Planer am Beispiel von London deutlich, wo derzeit über die Überdachung von Radwegen nachgedacht werde. Im Ruhrgebiet baue man in einem Pilotprojekt den ersten Radschnellweg, der Pendlern und Touristen neue Möglichkeiten eröffnen solle. Mit E-Bikes mache auch das Bergauffahren Spaß, wies er auf die Möglichkeit hin, hügelige oder bergige Strecken mit dem Pedelec zu meistern. Bedacht werden müsse, dass Radfahrer für ihre teilweise recht teuren Geräte sichere Abstellmöglichkeiten benötigen.

„Zu Fuß gehen ist die ureigenste Fortbewegungsart des Menschen, deshalb ist es besonders wichtig, die Bedürfnisse der Fußgänger zu beachten“, so Huber-Erler weiter. Als positives Beispiel führte er den Ludwigsplatz an, auf dem die Verkehrsführung im Jahr 2006 grundlegend verändert worden war.

Zum Thema Öffentlicher Personennahverkehr wies er darauf hin, dass es sehr wichtig sei, den Menschen die Organisation von Bus- und Bahnverbindungen zu erleichtern. ÖPNV sei fast immer ein Zuschussgeschäft, weshalb es schwierig sein könne, in Zeiten leerer Kassen etwas zu bewegen. Es werde aber vermutlich nicht mehr allzu lange dauern, bis kleine Busse ohne Fahrer zum Einsatz kämen, die Personen auf Nachfrage an der Haustür abholen und von dort zum Wunschziel transportieren könnten.

„Je kürzer die Wege, umso weniger wird gefahren“ machte Huber-Erler deutlich, dass man auch durch Stadtplanung Mobilität steuern könne, z.B. in dem man Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten direkt in den Wohngebieten ansiedele.

Eine wichtige Basis für die Erstellung eines Mobilitätskonzeptes seien Verkehrszählungen, deren Daten in die Planung einfließen müssten. Zu schauen, wer wo parkt oder wo Kreuzungen sind, an denen es sich schnell mal staut, gehöre ebenfalls zu den Vorbereitungen. Gedanken müsse man sich über die vorhandenen Radwege machen und sich mit Lebens- und Mobilitätsstilen auseinandersetzen. Wenn man all die gewonnenen Daten „übereinanderlege“, erhalte man ein integriertes Mobilitätskonzept, erläuterte er. „Es ist wichtig, dass sich die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an mit ihrem Know-How und ihren Anregungen einbringen“, so seine Abschlussworte.

Der Bürgermeister bedankte sich bei dem Referenten und lud die Anwesenden ein, ihre Anregungen und Ideen an den sieben vorbereiteten Themenstationen aufzunotieren und später auch mit Punkten nach ihrer Wichtigkeit zu bewerten.

„Wir stehen erst am Anfang. Jeder Wunsch und jede Idee, die Sie einbringen, wird nächstes Jahr diskutiert“, ermunterte er alle, sich mit Anregungen, Kritik und Wünschen zu beteiligen.

Die gesammelten Ideen können im Internet unter hier als Fotoprotokoll eingesehen werden. Wer weitere Anregungen mitteilen möchte, kann dies per mail unter nachhaltig-mobil@bad-duerkheim.de tun.

Thema Fußgänger Runde mit Ralf Huber-Erler

Thema Straßenverkehr Thema CO2

An sieben Stellwänden wurden Ideen gesammelt, diskutiert und nach ihrer Wichtigkeit bewertet. 

 

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