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Bedarf für neues Hotel vorhanden

In der Sitzung des Haupt- Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss am 29. Juni war das von der Entwicklergemeinschaft geplante Weinhotel, das auf dem Gelände der Alten Stadtgärtnerei errichtet werden soll, erneut ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung. Im Hinblick auf die Bürgerinitiative, die gegen eine Verwirklichung des Vorhabens ist und die Notwendigkeit eines solchen Vorhabens bezweifelt, nahm der Leiter des Fachbereiches Tourismus und Kultur, Marcus Brill, Stellung zu der Frage, ob es derzeit überhaupt einen Bedarf für ein solches Hotel gebe.

Um die Frage zu beantworten müsse man sich anschauen, welche Betriebsformen Bad Dürkheim zurzeit habe und wie es um die Bettenauslastung bestellt sei, so Brill. Es hieße zwar immer, dass Bad Dürkheim sehr viele Hotels und Betten anbiete, dem sei aber nicht so. Insbesondere im Vergleich mit anderen Regionen, mit denen Bad Dürkheim im Wettbewerb stehe, beispielsweise der Region Mittelmosel, könne man dies sehen.

Die Bettenauslastung sei in der Kurstadt mit 47,2 Prozent zwar sehr hoch (zum Vergleich Bettenauslastung Neustadt 35,7 %), im Bereich der 4-Sterne-Hotels erreiche Bad Dürkheim mit 64,04% sogar einen Top-Wert. Dabei müsse berücksichtigt werden, dass Alleinreisende jeweils eine 50-prozentige Auslastung bedeuten, da hier ja stets ein Bett unbelegt bleibe.

Allerdings bewege sich Bad Dürkheim in einem Bereich, in dem im Durchschnitt lediglich weniger als 23 Betten in den Betrieben vorhanden seien. Auch beim Verhältnis der Betriebe je 1000 Einwohner liege Bad Dürkheim mit einem Wert von unter 8 im unteren Bereich der touristischen Regionen in Rheinland-Pfalz. Insgesamt verfüge Bad Dürkheim über 113 Beherbergungsbetriebe mit insgesamt 3445 Betten, führte Brill vor Augen. Insbesondere bei der Anzahl der Hotels (9), Hotels garni (3) und Pensionen (8) sei eher ein Rückgang des Angebots zu beobachten. In diesen Betriebsformen würden derzeit 1020 Betten zur Verfügung stehen. Auch sei seit Jahren kein neues Hotel entstanden und entsprechend seien kaum neue Impulse gesetzt worden.

Als Ursachen für diesen Trend nannte Brill auch die fehlende Rentabilität bei Kleinbetrieben aufgrund des Verhältnisses von Gemeinflächen zu Zimmern bzw. Betten und fehlende Nachfolgeregelungen, die in den vergangenen Jahren bereits zu Betriebsaufgaben geführt hätten. Hier seien größere Betriebe im Vorteil. Eine wichtige Rolle spiele auch die oft nicht mehr zeitgemäße und damit auch nicht zukunftsfähige Gebäudestruktur der Hotellerie, insbesondere im Hinblick auf Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit, und den daraus resultierenden Investitionsaufwand. Zum Teil sei dies durch engagierten Aus- und Umbau ausgeglichen worden. Insgesamt seien die gestiegenen Anforderungen an ein zeitgemäßes, modernes und nachhaltiges Reiseprofil aber von der bestehenden Hotelinfrastruktur aufgrund der baulichen Gegebenheiten immer schwerer zu erfüllen.

Gleichwohl übersteige schon jetzt die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten das Angebot deutlich. Dies gelte insbesondere in Zeiten besonderer touristischer Angebote wie der Mandelsaison im Frühjahr, an den Wochenenden und in der Herbstsaison. Brills Befürchtung: Ohne innovative Projekte im Übernachtungsgewerbe werde es zu einer Zunahme des Tagestourismus kommen. Deshalb seien neue und innovative Hotelangebote für Bad Dürkheim wichtig, um sich weiterhin als für die Menschen attraktive Stadt darstellen und im Wettbewerb um den regionalen Qualitätstourismus punkten zu können.