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Hotelprojekt auf dem Gelände der alten Stadtgärtnerei

Vorstellung des aktuellen Sachstandes

Zurzeit planen drei Projektentwickler den Bau eines Hotels auf dem in städtischem Besitz befindlichen Gelände der alten Stadtgärtnerei. In der Bauausschusssitzung am 28. Januar wurde über den aktuellen Sachstand des Projektes informiert.

Es gebe es eine politische Willensbekundung, dass die Stadt sich zunächst auf dieses Projekt konzentriere, so Bürgermeister Christoph Glogger. Die Entscheidung, ob die Stadt das Gelände tatsächlich für den Hotelneubau verkaufen wird, werde in der Stadtratssitzung im Mai getroffen, erläuterte das Stadtoberhaupt. Bis dahin seien noch einige offene Fragen zu klären. Mit den Anwohnern in der Silz, die teilweise Bedenken gegen das geplante Bauvorhaben geäußert hatten, seien mehrere intensive Gespräche geführt worden.

Die Frage der Einbettung des Gebäudes in die Landschaft hätten die Investoren bereits durch Fotomontagen visualisiert, erläuterte Glogger. Zuletzt seien exakte Höhenangaben eingefordert worden. Hierzu hat das beteiligte Architekturbüro nun einen Schnitt mit genauen Höhenangaben sowie einer Andeutung der im Hintergrund verlaufenden Hügelkette Michelsberg und Spielberg vorgelegt. Zur Gebäudehöhe erklärte der Leiter des Fachbereichs Bauen, Dieter Petry, dass eine Höhe von etwa 14 bis 15 Metern erreicht werde, bei zurückgesetzten Gebäudeteilen bis zu 18 Metern. Diese Höhe entspreche in etwa der der Mehrfamilienhäuser in der Silz.

In der Betreiberfrage gebe es Fortschritte, wies der Bürgermeister auf aktuelle Telefonate mit den Entwicklern hin. Das Klimagutachten, das die für die Winzer so wichtige Abschätzung der Frostgefahr für das Gelände nördlich der alten Stadtgärtnerei darlegen soll, liege noch nicht vor. Hier fehle insbesondere die Durchführung einer Berauchung, die den Abfluss der kalten Luft sichtbar machen solle.

Das ausstehende Klimagutachten, das in den nächsten Tagen erwartet werde, sei nicht das erste seiner Art, wies Dieter Petry hin. Er erläuterte, dass das erste Gutachten im Jahr 1989 vom Deutschen Wetterdienst für die Standortuntersuchung einer geplanten neuen Kurklinik erstellt worden war. Der untersuchte Planungsstandort habe allerdings nicht viel mit dem für die aktuelle Hotelplanung ausgewählten Standort zu tun, sondern sich auf dem jetzigen Wohnmobilparkplatz befunden. Im Ergebnis sei festgestellt worden, dass der untersuchte Standort für das Klima in der Stadt, insbesondere den Kurbereich von Nachteil wäre. In den Sommermonaten würden sich die klimatischen Bedingungen im Kurbereich verschlechtern. Die nächtliche Durchlüftung mit Kaltluft aus den angrenzenden Waldflächen würde eingeschränkt. In den nördlichen Rebflächen sei eine geringfügige Erhöhung der Frostgefährdung nicht völlig ausgeschlossen und „keine messbare Zunahme der Frostgefährdung“ festgestellt worden. Die nicht völlig auszuschließende Frostgefährdung sei nach diesem Gutachten auf einen schmalen Bereich von bis zu 100 Meter nördlich der Stadtgärtnerei und 60 Meter nördlich der geplanten Klinik beschränkt. Als Empfehlung für einen Klinikstandort habe der DWD damals eine Fläche „unmittelbar nördlich im Anschluss an die Stadtgärtnerei“ empfohlen, die zu diesem Zeitpunkt noch als Gärtnerei genutzt worden war.

Ein weiteres Gutachten sei von der IMA für eine erste Hotelplanung auf dem Gelände der alten Stadtgärtnerei, die zwischenzeitlich zum Bauhof umgezogen war, erstellt worden. In dem Gutachten vom 18.09.2007 sei die Aussage getroffen worden, dass keine negativen Auswirkungen auf den Weinbau zu erwarten sind. Eine Erhöhung der Frosttage im Fall der Planrealisierung sei nicht zu erwarten. Petry zitierte auch die Interpretation der Messergebnisse durch die IMA, wonach „messbare Strömungsgeschwindigkeiten im Bereich der von Süd nach Nord verlaufenden Wirtschaftswege festgestellt werden konnten. Durch die in Ost-West-Ausrichtung verlaufenden Wingertszeilen wird eine Nord-Süd-Strömung abgebremst und Kaltluftabflüsse zu den genannten Feldwegen abgeleitet. Diese fungieren wegen ihrer geringen Rauhigkeit als Luftleitbahnen, während die Rebflächen durch ihre hohe Rauhigkeit als Strömungshindernis wirken.“ Es sei prognostiziert worden, dass im Mittel potentiell 4 Nächte pro Jahr mit einer Frostgefährdung durch Kaltluftabflüsse aus dem Gebiet nördlich des geplanten Hotelstandortes zu erwarten seien.

Ein weiteres Gutachten der IMA vom 6.12.2019 sei zum Ergebnis gelangt, dass „der Hotelkomplex im Vergleich zur ehemaligen Planung auch besser durchströmt werden kann, potenzielle Staueffekte nördlich des Hotelkomplexes werden reduziert. Das Hotel stellt insbesondere keine Riegelbebauung dar, sodass Stagnationsbereiche nur auf den nördlich vorgesehenen Stellplätzen auftreten. Eine Erhöhung der Frostgefährdung in den angrenzenden Weinkulturen ist demnach nicht zu erwarten.“ Nach der Vorstellung des Gutachtens sei der Auftrag erteilt worden, das Gutachten mit Blick auf die geringe Mächtigkeit der Kaltluftseen, die zu Schäden an den Reben führen können, zu präzisieren und insbesondere die ersten beiden Meter über der Erdoberfläche detailliert im Spätfrostfalle darzustellen. Das Gutachten liege abschließend noch nicht vor, sei aber für die nächsten Tage zugesagt.

In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass sich die Häufigkeit und Gefahr von Frostnächten in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert habe. Aus diesem Grunde beabsichtigen die Winzer, das Gutachten noch durch weitere Spezialisten begutachten zu lassen.

Weitere Informationen gibt es im Bürgerinformationssystem unter https://ratsinfo.desvdue2.de/buergerinfo.