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Je 5000 Euro für zwei Vorzeige-Projekte

Für das Projekt „Digitalisierung der Sammlungen der Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e.V.“ wurde die Museumsgesellschaft am Dienstag der vergangenen Woche mit dem Ehrenamtspreis der Versicherungskammer Stiftung ausgezeichnet. Das Projekt hatte die Jury in der Kategorie „Wir starten digital durch“ überzeugt. In einer weiteren Kategorie „Wir gestalten vor Ort“ wurde das Projekt „Lichtblicke“ für sozial benachteiligte Menschen der Tagesbegegnungseinrichtung Lichtblick aus Neustadt an der Weinstraße als Sieger gewählt.

Bürgermeister Christoph Glogger begrüßte zu der wetterbedingt aus dem Innenhof des Kulturzentrums Haus Catoir in das Dürkheimer Haus verlegten Feierstunde, bei der die beiden Projekte die jeweils mit 5000 Euro dotierten Preise entgegennehmen konnten. Er halte das Ehrenamt für ein ganz wichtiges Thema, das glücklicherweise inzwischen auch sehr stark im Bewusstsein der Menschen verankert sei. „Ohne das Ehrenamt wäre die Gesellschaft viel ärmer und würde so, wie wir sie kennen, gar nicht funktionieren“, hob er hervor. Das Digitalisierungsprojekt zeige in bemerkenswerter Weise die Verzahnung von Ehrenamt und städtischen Aufgaben. Sein Dank galt allen, die sich in beeindruckender Weise engagieren.

Auch Waltraud Blarr, Beigeordnete der Stadt Neustadt, hob das Ehrenamt als unverzichtbaren Bestandteil des Gemeinwesens hervor. „Wir sind all denjenigen sehr dankbar die sich engagieren. So wurde bei uns in Neustadt die Idee, obdachlosen Menschen eine warme Mahlzeit zu ermöglichen, inzwischen zu einem breiten Portfolio an Angeboten für sozial benachteiligte Menschen und Obdachlose entwickelt und mit Leben gefüllt.“

Wolfgang Reif, Vorstand der Versicherungskammer Stiftung, erläuterte, dass es sich die vor 10 Jahren gegründete Stiftung zum Ziel gesetzt habe, das Ehrenamt zu fördern. „Seither haben wir 60 Projekte mit insgesamt 1,8 Millionen Euro unterstützt“, zeigte er auf.  Zudem trage die Stiftung durch das Angebot entsprechender Veranstaltungen zum Wissenstransfer unter den Ehrenamtlern bei. In 2021 habe man unter dem Motto „Stadt − Land − Lebenswert“ nach Initiativen und Projekten in Bayern und der Pfalz gesucht, die durch das erfolgreiche Zusammenwirken von Ehrenamt und Kommune die Lebensqualität und -situation vor Ort stärken und verbessern. „Aus insgesamt120 Bewerbungen haben wir Projekte ausgewählt, die beispielhaft sind,“ so sein Fazit.

Der Leiter der Leitstelle Ehrenamt und Bürgerbeteiligung der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Birger Hartnuß, bezeichnete das Ehrenamt als „Humus, der unsere Gesellschaft zusammenhält“. Er betonte, dass ein solches Engagement Dank und Anerkennung verdiene und wies auf die Verantwortung der Politik hin, dieses Engagement zu unterstützen und zu fördern. Insgesamt sei das Ehrenamt vielfältiger geworden: „Die Menschen warten nicht darauf, bis man ihnen sagt, was sie tun sollen, sondern packen von selbst an.“ Die beiden ausgezeichneten Projekte verkörperten in ganz beeindruckender Weise, dass die Menschen Verantwortung übernehmen und sich engagieren. Das Bad Dürkheimer Digitalisierungsprojekt ermögliche es, verborgene Schätze sichtbar zu machen und eröffne neue Perspektiven. In Neustadt habe man erleben können, wie Menschen durch das persönliche Schicksal anderer aufgerüttelt wurden und ein sehr wertvolles Netzwerk auf die Beine gestellt hätten.

Dr. Britta Hallmann-Preuß, Leiterin des Stadtmuseums, freute sich über die seit jeher gute Zusammenarbeit mit der Museumsgesellschaft, die aus dem 1872 gegründeten Altertumsverein hervorgegangen sei. Ihr Dank galt denjenigen, die sich viele Stunden für das Digitalisierungsprojekt engagiert hätten, allen voran Hans-Günter Förster, Ulrich Knöller und Dr. Michael Ochse.

„Für die Museumsgesellschaft und mich persönlich ist die Verleihung des Preises eine große Ehre“, so Hans-Günter Förster. Bei der Suche nach einem Ehrenamt sei er auf das Projekt gestoßen, bei dem aus seiner Sicht zwei Welten aufeinander getroffen seien. Ein Großteil der Sammlungen habe im Depot geschlummert, nun könne man vielen Menschen und insbesondere auch der Jugend einen niederschwelligen Zugang zu vielen Schätzen ermöglichen. Die Arbeit sei noch längst nicht beendet, aber allein an historischen Fotografien mit Personen oder Ortsdarstellungen seien bereits etwa 2300 digitalisiert. Insgesamt seien schon weit über 18.000 Objekte inventarisiert, davon etwa 3800 öffentlich zugänglich über die Internetseite rlp.museum-digital.de.

„Das Ehrenamt ist so vielfältig wie die Menschen“ sagte Robin Rothe, Leiter der Tagesbegegnungsstätte Lichtblick in Neustadt. Seit 1996 werden dort Menschen mit geringem Einkommen und Wohnungslose aus Neustadt und Umgebung betreut, wie er erläuterte. Neben der Tagesbegegnungsstätte gebe es mehrere Läden, z.B. den Rad-, Kleider-, Möbel- oder Hausratladen, es werden Sozial- und Rechtberatung angeboten oder bedürftige Menschen in ihren Wohnungen betreut. Ohne einen großen Stab ehrenamtlich Engagierter wäre so etwas kaum möglich, meinte Rothe. Der verliehene Preis zeige, dass diese ehrenamtliche Arbeit auch gesehen und wertgeschätzt werde. Er lud alle Interessierten ein, mitzumachen und sich einzubringen.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Isabel Stier, Geschäftsführerin der Versicherungskammer Stiftung, während Robert Schippers von der Musikschule Bad Dürkheim am Flügel für die musikalische Umrahmung sorgte.

Foto: v.l.n.r.: Christoph Glogger, Hans-Günter Förster, Dr. Britta Hallmann-Preuß, Robin Rothe, Waltraud Blarr, Wolfgang Reif und Birger Hartnuß nach der Verleihung des Ehrenamtspreises in Bad Dürkheim