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Weinhotel - Klimagutachten und Planungsstand

In der Sitzung des Bau- und Entwicklungsausschusses am 10. Juni informierte die Projektentwicklergemeinschaft Dr. Job von Nell, Michelmann-Architekt GmbH und Mutschler GmbH über den Stand des Neubau-Projektes „Weinhotel auf dem Gelände der Alten Stadtgärtnerei“.

Das Gelände befindet sich im Eigentum der Stadt Bad Dürkheim. Vor dem Verkauf des Geländes an die Entwicklergemeinschaft galt es unter anderem die wichtige Frage zu klären, inwieweit die Bebauung mit dem geplanten Hotel auf diesem Gelände zu einer Behinderung des Kaltluftabflusses führen könne, wodurch eine erhöhte Frostgefahr für die oberhalb liegenden Weinberge befürchtet wurde.

Zur Klärung dieser Frage hatte die Entwicklergemeinschaft durch die iMA Richter & Röckle GmbH & Co. KG ein Kaltluftgutachten erstellen lassen, das der Diplom-Meteorologe Dr. Rainer Röckle dem Ausschuss vorstellte. Röckle informierte über die durchgeführten Messungen, Rauchpatronenversuche und Modellrechnungen, bei denen bestätigt worden sei, dass das untersuchte Gebiet von der Spätfrostgefahr betroffen und in den entsprechenden Nächten ein Kaltluftabfluss vorhanden ist. Dieser setze sich auch in den späten Nachtstunden fort. Bei der Betrachtung der Gefährdung durch Spätfrostereignisse müsse zudem die Rolle des Klimawandels betrachtet werden. Dieser könne durch künftig mildere Winter zu einem verfrühten Austreiben der Weinreben führen, die bei einem danach eintretenden Frostereignis gefährdet sein könnten.

Im Planungsgebiet gebe es allerdings auch im jetzigen unbebauten Zustand Strömungshindernisse, die von der Kaltluft um- und überströmt werden. Der geplante Hotelneubau werde westlich und östlich umströmt und führe durch die gewählte Bauweise zu keinem nennenswerten zusätzlichen Staueffekt. Die Modellrechnungen hätten in den Reblagen im näheren Umfeld einzelne Bereiche gezeigt, in denen die Lufttemperatur um 0,3 Grad Celsius niedriger ausfallen könne. Die Betrachtung des Modellergebnisses für diese bis zu 300 m² große Fläche ergebe, dass es dort statistisch gesehen innerhalb von 46 Jahren ein zusätzliches Frostereignis mit Frostschäden mehr geben könnte. Zur Minimierung der Auswirkungen gibt das Gutachten Planungsempfehlungen, wie beispielsweise den Verzicht auf die Anpflanzung dichter Vegetation an den westlichen und östlichen Rändern des Plangebietes sowie den Verzicht auf eine dichte bodennahe Vegetation im nördlichen Bereich des Plangebiets. Hierdurch solle insbesondere der bodennahe Kaltluftabfluss über den östlich gelegenen Wirtschaftsweg verbessert werden. Auch solle die weitere Abflussbahn im Osten zwischen Wohnbebauung und Michelsberg von Bebauung und größeren Hindernissen freigehalten werden.

Da die Darstellung des Gebäudekomplexes bezüglich Höhe, Ausdehnung und Gestaltung insbesondere durch die gegen das Projekt agierende Bürgerinitiative in der Öffentlichkeit einen breiten Raum eingenommen hatte, wurde dem Ausschuss die Dimension des Gebäudes in seinem Umfeld nachvollziehbar dargestellt. Dabei wurde deutlich, dass die Dimensionen des geplanten Hotels sehr viel kleiner sind, als beispielsweise in dem Flyer der BI dargestellt.

Eine weitere Frage betraf die Zufahrt zum geplanten Hotelgebäude. Hierzu erläuterte Architekt Torsten Michelmann, dass die Zufahrt aus westlicher Richtung von der L517 aus, unmittelbar nördlich des Wohnmobilstellplatzes, erfolgen solle. Auch der Anlieferverkehr sei über diese Zufahrt geplant. Die nach der Stellplatzsatzung der Stadt Bad Dürkheim erforderlichen Stellplätze würden auf dem Grundstück errichtet. Insgesamt seien 105 Stellplätze geplant, 59 für Hotelgäste, 32 für Tagesgäste des Restaurants und weitere 14 für das Personal.

Bezüglich des Energiekonzeptes führte Michelmann aus, dass das Gebäude als „Netto-Nullenergiegebäude“ errichtet werden solle. Das bedeute, dass das Hotel in der Jahresprimärenergiebilanz genauso viel Energie produziere, wie es im selben Jahr verbrauche. Die weitere Planung des Energiekonzeptes solle mit der noch anstehenden Detailplanung erfolgen.

Job von Nell teilte mit, dass ein Betreiber für das Hotel gefunden worden sei. Es handele sich hierbei um ein Familienunternehmen, das in Deutschland und Österreich Hotels betreibt. Für das Unternehmen seien Kooperationen, beispielsweise mit den Winzern oder dem derzeit auf dem Gelände aktiven BFB sowie eine Öffnung des Hotels für örtliche Feste denkbar. Auch sei gewährleistet, dass die zukünftige Betreibergesellschaft ihren Sitz in Bad Dürkheim habe. Wenn die Zustimmung zum Verkauf erteilt werde, könne der Betreiber genannt werden.