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Bauausschusssitzung zum Mobilitätskonzept

Arbeit an Mobilitätskonzept geht weiter:
Leitlinien und Schlüsselprojekte Thema im Bauausschuss

In einer öffentlichen Sitzung beschäftigte sich der Bau- und Entwicklungsausschuss am 15. November mit der Erstellung des klimafreundlichen Mobilitätskonzeptes für Bad Dürkheim.

„In das Papier, das vor Ihnen liegt, sind viele Informationen aus der Parkraumerhebung, aus dem Radverkehrskonzept, den Verkehrszählungen, dem Verkehrsmodell, aus Ortsbegehungen sowie Rückmeldungen aus den Bürgerforen und der interaktiven Onlinekarte sowie der Input aus Politik und Verwaltung eingeflossen", erläuterte Baudezernent Gerd Ester gleich zu Beginn der Sitzung.

Aus diesen zugrundeliegenden Informationen habe das Planungsbüro PTV Transport Consult GmbH die nun vorliegenden Stärken-Schwächen-Profile entwickelt, auf deren Basis wiederum die ebenfalls dargestellten Leitlinien formuliert worden seien. Im Laufe der Sitzung würden die ersten Schlüsselprojekte vorgestellt, ein Beschluss dazu sei jedoch noch nicht vorgesehen. „Im Anschluss an die Sitzung sollten wir dies alles in den Fraktionen diskutieren und klären, ob wir uns die vorgeschlagenen Zielsetzungen auf die Fahnen schreiben können", erklärte Ester die Vorgehensweise. Die Vorstellung weiterer Schlüsselprojekte sei für eine Bauausschusssitzung im neuen Jahr geplant.

Danach werde PTV einen Maßnahmenkatalog entwickeln und bewerten. Aus all diesen Informationen und „Bausteinen" entstehe schließlich das Mobilitätskonzept, das im April 2019 im Stadtrat beschlossen werden solle.

Christoph Schulze, Projektleiter bei PTV, erläuterte die Situation der Stadt mit ihren zum Teil dezentral gelegenen Ortsteilen und einem gut ausgebauten Straßennetz. In der Innenstadt gebe es historisch bedingt teils sehr schmale Straßenräume. Eine gute Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit Deutscher Bahn, Rheinhaardt-Bahn und Buslinienverkehr kennzeichne die Stadt, obwohl der ÖPNV nur einen geringen Anteil am motorisierten Verkehr innehabe: „Nur 4,1 Prozent des Verkehrs entfällt auf Schienenpersonennahverkehr und Busverkehr, 95,9 Prozent des Verkehrs wird mit dem Auto erledigt", wies er auf die Abschätzung des sogenannten „Modal Splits" (Verteilung auf die unterschiedlichen Verkehrsmittel) zwischen PKW- und ÖPNV-Verkehr hin.

Dies habe PTV dazu veranlasst, das Potenzial zu einer Umverlagerung des Kfz-Verkehrs auf Fuß- oder Radverkehr zu prüfen. Entfernungen unter einem Kilometer hätten grundsätzlich Potenzial zur Verlagerung auf Fußverkehr, Entfernungen zwischen einem und fünf Kilometern könnten gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Wenn man davon ausgehe, dass nur 50 Prozent der Kfz-Verkehre mit diesen Streckenlängen tatsächlich verlagert würden, so ergebe sich ein realistisches Einsparpotenzial von 45 Tonnen CO2-Emissionen durch Umverlagerung auf den Fußverkehr und 1.587 Tonnen durch Umverlagerung auf Radverkehr. Dies zeige, dass im Mobilitätskonzept der Fokus auf Rad-und Fußverkehr gelegt werden müsse, schließlich sei die Reduktion der Luftschadstoffe das, was ein klimafreundliches Mobilitätskonzept ausmache.

Schulze stellte für Radverkehr, Fußverkehr, fließenden Kfz-Verkehr, ruhenden Kfz-Verkehr, öffentlichen Nahverkehr und „neue Mobilität" jeweils ein Fazit der Bestandsanalyse vor, aus dem die Leitlinien entwickelt wurden. Die Details der Bestandsanalyse und die vorgeschlagenen Leitlinien können der hierzu gezeigten Präsentation entnommen werden, die auf unten auf dieser Internetseite bereitgestellt ist.

Im zweiten Teil der Sitzung wurden die ersten Schlüsselprojekte vorgestellt und diskutiert.

Zum Schlüsselprojekt „Bahnhofsumfeld" meinte Christoph Schulze, dass die Anbindung der Stadtteile mit dem ÖPNV Verbesserungspotenzial besitze. Hier könne durch die Einführung regelmäßiger und auf den Schienenpersonennahverkehr besser abgestimmter Abfahrtszeiten des Busverkehres viel erreicht werden. Zudem biete sich an diesem zentralen Ort die Installation einer digitalen Fahrgastinformation für alle ÖV-Angebote an. Schulze wies auf das Potenzial für eine stärkere Förderung der Intermodalität und von Sharing-Systemen hin. Dazu schlug er vor, im Bahnhofsbereich eine Mobilitätszentrale aufzubauen und durch einen „Mobilitäts-Hub" das Mobilitäts- und Informationsangebot als Produkt aus einer Hand anzubieten. Darüber hinaus halte PTV es für sinnvoll, Car- und Bike-Sharing-Systeme mit E-Fahrzeugen einzuführen, Ladestationen an P+R Parkplätzen einzurichten und die P+R Parkplätze durch die Einführung eines an den ÖV gekoppelten Tickets preislich zu attraktivieren. Dem ebenfalls von seinem Büro benannten Mangel an qualitativ hochwertigen und diebstahlsicheren Fahrradabstellmöglichkeiten könne durch die Errichtung hochwertiger überdachter Abstellanlagen sowie einem Fahrradparkhaus begegnet werden. Um mehr Barrierefreiheit zu erreichen, die bislang nur an der RHB-Haltstelle gegeben sei, schlug Schulze die Verknüpfung der Haltestellen und Markierung des Wartebereiches über Blindenleitlinien vor, allerdings sei die Umsetzung dieser Maßnahme nur durch die DB Station&Service AG möglich. Die Stadt könne aber die Bordsteine an Übergängen zwischen Gehweg und Straßenraum absenken und den Belag im Straßenraum überprüfen.

Das zweite präsentierte Schlüsselprojekt beschäftigt sich mit der Situation in der nördlichen Philipp-Fauth-Straße und der Mannheimer Straße. Der Bereich sei gekennzeichnet durch schlechte Querbarkeit zwischen Innenstadt und Bahnhofsareal und dem Fehlen einer direkten Verbindung zwischen Bahnhof und Fußgängerzone, analysierte der Planer. Obwohl es sich um eine Hauptroute des Radverkehrs handele, werde der Radverkehr mit dem Fußverkehr im engen Seitenraum bzw. bei Tempo 50 und kurviger, unübersichtlicher Strecke mit den Kfz geführt. Hier schlug Schulze die Umgestaltung von Teilbereichen nach dem Shared-Space-Gedanken vor und präsentierte als Beispiel eine Maßnahme des baden-württembergischen Ortes Rudersberg, der eine Landessstraße mit ähnlichem Kfz-Aufkommen nach dem Shared-Space-Prinzip aufgewertet habe. Der Ort habe neben der Reduktion des Verkehrsaufkommens auch durch verminderte Lärmbelastung und einen Rückgang von Verkehrsunfällen profitiert.

Die südliche Philipp-Fauth-Straße und die Weinstraße Süd waren Thema des dritten vorgestellten Schlüsselprojektes. Schmale Gehwege für den Fußverkehr und ein hohes Verkehrsaufkommen mit Führung des Radverkehrs zusammen mit den Kfz bei Tempo 50 waren als problematisch und als Widerspruch zur Definition dieses Bereiches als Radverkehrs-Hauptroute herausgearbeitet worden. Aufgrund des geringen zur Verfügung stehenden Raumes könnten die Gehwege hier nur durch eine Reduktion der Fahrbahnbreite ausgebaut werden. Der Planer wies darauf hin, dass die verfügbare Straßenraumbreite aber weder einen richtlinienkonformen Ausbau des Gehweges, noch der Radverkehrsanlagen zulasse. Hier gelte es, eine Kompromisslösung zu finden, z.B. durch die Verbreiterung des Schutzstreifens für den Radverkehr Richtung Süden, die Reduzierung der Fahrbahnbreite auf das Mindestmaß, den maximal möglichen Ausbau der Gehwege, die Verbesserung von Querungsmöglichkeiten für Fußgänger.

Für das Schlüsselprojekt Kaiserslauterer Straße nannte Christoph Schulze den schmalen Straßenraum und den ebenfalls schmalen, nicht abgegrenzten Seitenraum für den Fuß- und Radverkehr als Problemstellung. Hinzu käme Begegnungsverkehr sowie ein Durchgangsverkehr, der hier bei etwa 20 Prozent des Gesamtverkehrs gemessen wurde und damit höher liegt als auf anderen innerstädtischen Straßen (etwa 10 Prozent). Als Maßnahme schlug Schulze die Umstellung auf Einrichtungsverkehr Richtung Innenstadt (der Hauptfahrtrichtung) und Fahrgassenversätze durch Parkstände oder Bepflanzungen vor. Produktionsverlagerungen der Winzergenossenschaft an einen neuen Standort könnten sich in Zukunft positiv durch eine Reduzierung des Schwerlastverkehrs auswirken. Schulze stellte drei mögliche Maßnahmen vor: Umwandlung der Kaiserslauterer Straße in eine Einbahnstraße, Umwandlung von Kaiserslauterer Straße und Eichstraße in Einbahnstraßen unter Beibehaltung der derzeitigen Einbahnstraßenrichtung in der Gartenstraße oder die Umwandlung von Kaiserslauterer Straße und Eichstraße in Einbahnstraßen bei Veränderung der Einbahnstraßenrichtung in der Gartenstraße. Jedes dieser drei Szenarien habe Auswirkungen auf andere Straßen in der Innenstadt, wie Schulze durch Berechnungen anhand der Daten des Verkehrsmodells belegte (siehe Folien 36 bis 38 der ebenfalls unten auf dieser Internetseite bereitgestellten Präsentation zu den Schlüsselprojekten). So führten die Maßnahmen zwar zur Verringerung des Verkehrs in der Kaiserslauterer Straße, dafür werde sowohl Kfz-Verkehr als auch die dadurch verursachten (und in der Summe erhöhten) Emissionen in andere Straßen verlagert.

In den vergangenen Jahren immer wieder zu Diskussionen führte die Situation auf dem Stadtplatz, ein weiteres Schlüsselprojekt. Hier wurde seitens PTV nicht nur eine hohe bis sehr hohe Auslastung des vorhandenen Parkraums festgestellt, auch das widerrechtliche Parken stelle ein Problem dar. Insgesamt nehme der ruhende Kfz-Verkehr viel Raum in Anspruch, wohingegen der Radverkehr keine Abstellanlagen und Lieferanten keinen Laderaum vorfänden. Schulze schlug vor, mit Hilfe eines neuen Parkleitsystemes die Parksuchverkehre auf andere Parkplätze umzuleiten und durch eine Erhöhung der Parkgebühren mit Ausrichtung auf Kurzparker die vorhandenen Parkplätze für kurze Erledigungen vorzuhalten. Die Verringerung der Fahrbahnbreite und Nutzung des entstehenden Raumes für Fußverkehr sowie die Intensivierung der Parkraumüberwachung seien mögliche Maßnahmen, um widerrechtliches Parken einzudämmen. Die Aufstellung von Radabstellanlagen hält PTV an diesem Ort ebenfalls für wichtig. Noch einen Schritt weiter könne man mit der Einrichtung eines „Mobilitäts-Hubs" und der Installation von Ladestationen gehen. Um den Stadtplatz vom Durchgangs- und Parksuchverkehr zu entlasten, könne auch über ein Durchfahrtsverbot für die Römerstraße und eine Erweiterung der Fußgängerzone im nördlichen Bereich des Platzes nachgedacht werden.

Das letzte Schlüsselprojekt, mit dem sich der Bauausschuss am 15. November beschäftigte, war die „Kurparkdurchfahrt" und die „Radverkehrshauptrouten". Christoph Schulze legte dar, dass bislang keine Durchfahrtsmöglichkeit für Radfahrer durch den Kurpark existiere und der Radverkehr in Nord-Süd-Richtung große Umwege in Kauf nehmen müsse. Dies, obwohl der Weg durch den Kurpark zwischen Schlossgartenstraße und Rathaus ausreichend dimensioniert sei, um eine gemeinsame Nutzung von Fußgängern und Radfahrern zuzulassen. Schulze schlug deshalb vor, die Durchfahrt für Radfahrer zu öffnen und ein Schild „Rücksicht hat Vorfahrt", wie bereits in der Innenstadt praktiziert, anzubringen.

Das Thema Kurparkdurchfahrt stieß auf deutlichen Widerstand bei den Ausschussmitgliedern, so dass es vermutlich nicht weiter verfolgt wird. Wie Gerd Ester eingangs schilderte, dienen die Leitlinien und Schlüsselprojekte nun zunächst als Diskussionsgrundlage für die Fraktionen, weitere Schlüsselprojekte sollen in einer Bauausschusssitzung im neuen Jahr vorgestellt und besprochen werden. Weitere Schlüsselprojekte sind im Einzelnen: Schillerstraße, Seebacher Straße – Hammelstalstraße – Holzweg, Leistadt Ortsdurchfahrt, Ungstein B271, Fußverkehrs-hauptrouten, Fußgängerquerungen, Parkleitsystem, Geschwindigkeitskontrollen und Halte-stellenattraktivierung.

Zuvor jedoch wird in einem weiteren Bürgerforum zum Mobilitätskonzept am 13. Dezember auch den Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit gegeben, ihre Meinung und ihre Anmerkungen zu den Leitlinien und Schlüsselprojekten kundzutun und zu diskutieren.

Hier stellen  wir Ihnen die von PTV präsentierten Folien vor: 

Präsentation Bestandsanalyse Leitlinien BEA 15.11.2018

Präsentation der Schlüsselprojekte zum Mobilitätskonzept BEA 15.11.2018

 

Im Bürgerinformationssystem können Sie zudem die Unterlagen für den Bauausschuss einsehen.