Stadtrat gibt Startschuss für Thermeneubau

In seiner Sitzung am 22. März, die in Präsenz und wegen der Pandemie unter hohen Schutzvorkehrungen im Kurhaus stattfand, bestätigte der Stadtrat von Bad Dürkheim mehrheitlich mit 23 von 30 Stimmen das vorgelegte Finanzierungskonzept für den Neubau der Therme als Erweiterung des Salinariums mit einem Gesamtvolumen von 35 Mio Euro.

„Wenn wir heute den Startschuss geben, werden wir im Mai mit dem Bau beginnen. Dann ist es soweit: das wichtigste Zukunftsprojekt der Gesundheitsstadt seit der Jahrtausendwende geht in die Umsetzung“, hatte Bürgermeister Christoph Glogger die Räte zuvor auf die anstehende Entscheidung über den seit mehr als fünfzehn Jahren diskutierten Bau einer Therme eingestimmt.

Dabei machte das Stadtoberhaupt deutlich, dass Bad Dürkheim vieles besitze, wofür die Pfalz stehe, aber zusätzlich auch etwas ganz Besonderes, das Mineralwasser. „Wir sind das Salz der Pfalz“, wies er darauf hin, dass Bad Dürkheim mit dem Kurpark, mit der Saline und mit der neuen Therme eine Quelle der natürlichen Freude und der Gesundheit sei: „Wer achtsam mit sich und seiner Gesundheit umgehen, wer ursprüngliche Freude erleben und das Leben genießen will und dabei noch bewusst mit seiner Umwelt und dem Klima umgehen möchte, der kommt ins SoleBad Dürkheim - oder er wohnt schon längst hier.“

Ihm sei wichtig gewesen, die Baukosten noch einmal unabhängig rechnen und die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Firma Kannewischer aus 2015 von einem Büro mit einer ganz anderen Ausrichtung noch einmal überprüfen zu lassen. Das Projekt sei im Rahmen einer großen Bürgerbeteiligung in zahlreichen Workshops und Fachforen mit Experten und interessierten Bürgern diskutiert und die Dürkheimerinnen und Dürkheimer in einer Umfrage gefragt worden, was sie von den Plänen halten und was ihnen dabei wichtig ist. Dabei habe sich eine überwältigende Mehrheit der Befragten dafür ausgesprochen, dass Bad Dürkheim Heilbad bleiben und ein neues Thermalbad gebaut werden soll.

Natürlich sei die neue Therme für eine kleine Stadt wie Bad Dürkheim ein Riesenprojekt und man gehe mit solchen Projekten immer auch ein Risiko ein. Aber 73 Prozent der Bausumme seien ausgeschrieben worden und es lägen dafür verbindliche Angebote auf dem Tisch.

Dieses Vorgehen resultierte aus dem Beschluss des Stadtrats vom 1. September 2020, der durch das Ausschreiben von mindestens 70 Prozent der Baukosten eine größtmögliche Kostensicherheit sicherstellen wollte und dafür eine Gesamtkostenhochrechnung von 34,34 Mio Euro zugrunde gelegt hatte. In diese Hochrechnung fließen die bisherigen Planungskosten, die weiteren kalkulierten Nebenkosten, die verbindlichen Angebote der ausgeschriebenen Gewerke sowie die Hochrechnungen für die weiteren noch auszuschreibenden Gewerke ein. Letztere gründen sich auf die Kostenberechnung der Architekten und werden mit einer Kostensteigerung nach dem aktuellen Baupreisindex bis zum Zeitpunkt der Ausführung belegt.

„Wir liegen in unserer Hochrechnung über alle Gewerke, über alle Nebenkosten bei einer Gesamtsumme von 33,9 Mio Euro und wir haben damit noch einen kleinen Puffer zu dem Rahmen, den wir uns mit 35 Mio Euro gesteckt hatten und den wir heute bestätigen“, erläuterte der Bürgermeister.

Die Stadt könne dankbar sein, dass die Stadtwerke neben all ihren anderen Aufgaben nun auch dieses Projekt gemeinsam mit dem städtischen Bauamt stemmen und als Eigentümerin des Salinariums auch die Trägerschaft für die neue Anlage übernehmen werden. „Wir haben versprochen, dass die Preise für Strom, Gas- und Wasser natürlich davon unberührt bleiben, da gibt es verbindliche Beschlüsse“, machte Glogger deutlich. Die Stadtwerke würden im späteren Betrieb der Therme nicht besser und nicht schlechter dastehen als jetzt. Aber das Freizeitbad Salinarium werde profitieren: es erhalte neben dem Thermalbad ein neues Außenbecken, einen neuen Rutschenturm und eine neue Saunalandschaft.

Er sei sehr froh, dass der Klimaschutz in Bad Dürkheim ganz oben auf der Agenda stehe, weshalb er den Vorsitzenden des Klimabeirates, Thomas Giel, darum bat, das energetische Konzept der neuen Therme vorzustellen und eine Einschätzung dazu abzugeben, welche Klimawirkungen zu erwarten sind.

Der Klimabeiratsvorsitzende hob dabei hervor, dass der Neubau durch den sehr guten Primärenergiefaktor der Fernwärme und die neu überarbeitete Architektur nach den derzeit gültigen Normen als sehr gut einzustufen sei. Zudem werde der Thermeneubau den Energieverbrauch des Salinariums verbessern.

Zu erwarten seien aber auch Auswirkungen auf den Kurpark, so der Bürgermeister, denn es werde eine riesige Baustelle mitten im Kurpark entstehen. „Richten wir uns darauf ein, was eine solche Baustelle mitten im Kurpark bedeutet“, wies er darauf hin, dass es Dreck und Lärm geben werde und dass Fußgänger Baustraßen kreuzen müssten. Es sei ihm besonders wichtig, ein gutes Miteinander mit den Anwohnern zu erreichen und die Auswirkungen für sie möglichst gering zu halten. Mitte April werde es einen gemeinsamen Termin mit den Anliegern geben, in der die anstehenden Maßnahmen und Abläufe im Detail vorgestellt würden, kündigte er an.

„Heute werden unsere langjährigen Bemühungen belohnt. Ich danke allen, die dazu beigetragen haben“, wandte er sich an die Verantwortlichen im Land Rheinland-Pfalz, seinen Vorgänger Wolfgang Lutz, die Berater, die 4a-Architekten, die Planungsbüros, die vielen weiteren Experten und Behörden, vor allem die Kreisverwaltung, den Geschäftsführer der Stadtwerke und das Salinariumsteam sowie den beteiligten „Denkern und Schaffern“ der Stadt Bad Dürkheim. Besonders dankte er dem Aufsichtsrat der Stadtwerke und dem Bauausschuss der Stadt für die vielen fachkundigen und hilfreichen Diskussionen sowie dem Stadtrat für „die gute, kritische und mutige Begleitung des Thermenprojektes“.

Mit seinem Beschluss gibt der Stadtrat den Startschuss für die neue Therme und schafft damit zugleich die Voraussetzungen dafür, dass der Aufsichtsrat am Dienstag, 23. März, die Vergabe der ausgeschriebenen Gewerke vornehmen kann.

 

Stadt will Heilbad bleiben

Der Neubau eines Thermalbades war nötig geworden, nachdem das Land Rheinland-Pfalz und der Landkreis Bad Dürkheim Ende 2015 die Staatsbad GmbH an die Stadt verkauft hatten und das alte Thermalbad nachfolgend aufgrund hoher Defizite geschlossen werden musste. Das Land Rheinland-Pfalz sicherte in diesem Zusammenhang einen Zuschuss in Höhe von 11,08 Mio Euro für die Errichtung einer neuen „Gesundheitseinrichtung“ zu. Dieser wurde an die Vorlage eines Kurbetriebskonzeptes gebunden, welches der Stadtrat im Mai 2016 verabschiedet hatte.

Mit dem Bau der neuen Therme knüpft die Stadt Bad Dürkheim an die lange Tradition als Heilbad an. Dieser Titel, den die Stadt seit 1904 trägt, ist neben gesundheitsfördernden Rahmenbedingungen wie Landschaft und Klima an eine zeitgemäße Verabreichung eines Heilmittels gebunden. Im Falle von Bad Dürkheim handelt es sich um das mineralhaltige Wasser, aus dem früher in den Gradierbauten Salz gewonnen wurde. Da es geschmacklich nur bedingt zum Trinken geeignet ist, stellt die Darreichung als Solebad das Mittel der Wahl dar.

Die neue Therme soll diese Funktion im Rahmen einer zukunftsfähigen größeren Anlage mit Saunalandschaft, Freigelände, Gastronomie und eigenem Wellnessbereich ausfüllen. Anders als zu Zeiten der Staatsbad ist die Finanzierung nicht aus Kurmitteln der Krankenkassen gesichert, so dass im Wesentlichen auf den wachsenden Markt selbstzahlender Gäste gesetzt werden muss, die das Solebad im Rahmen der Gesundheitsvorsorge und der persönlichen Regeneration nutzen. Entsprechend soll die Anlage aktuellen Ansprüchen an eine Therme genügen und mit ihrer Attraktivität zusätzliche Gäste anziehen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Die Konzeption der neuen Therme stützt sich deshalb auch auf mehrere Alleinstellungsmerkmale, die im Zuge der Bürgerbeteiligung 2016 entwickelt worden waren. So werden ein Soleschwebebecken und ein Soleinhalationsraum mit einer Mini-Saline und Blick auf den echten Gradierbau die Tradition des Solebades aufgreifen. Der Sauna- und der Thermalgarten setzen auf die einmalige Lage mitten im historischen Kurpark und an der renaturierten Isenach. Die Dachpanoramasauna wird förmlich über dem Kurpark zwischen Saline, Traubenkur und neu sanierter Brunnenhalle schweben. Zudem wird mit regional typischen Materialien wie Holz und Sandstein gearbeitet und Anklänge an das Thema Wein und Wald geschaffen.

Energetisch wird die neue Anlage auf neustem Stand errichtet und in der Energiebilanz die Vorgaben aus KfW55 übertreffen. Erreicht wird dies durch eine besondere Dämmung der Außenwände und Glasfassaden. Hinzu kommt der Anschluss an das Fernwärmenetz der Stadtwerke, dessen Wärme hauptsächlich im Holzhackschnitzelkraftwerk und im mit Biomethan betriebenen Blockheizkraftwerk erzeugt wird. In der Therme selbst wird zusätzlich ein neues Blockheizkraftwerk installiert, mit dessen Abwärme das Bad geheizt wird.

Die neue Therme soll der wesentliche Baustein einer neuen Ausrichtung des Dürkheimer Tourismus sein. Demnach werden künftig ein nachhaltiger Tourismus und der achtsame Umgang mit der eigenen Gesundheit und den natürlichen Ressourcen eine größere Rolle spielen. Neben dem Biosphärenreservat Pfälzer Wald und der Pfälzer Gastfreundschaft rund um den Dürkheimer Spitzenwein wird das Dürkheimer Solebad ein wichtiges Alleinstellungmerkmal im zukünftigen Selbstverständnis der Kurstadt darstellen.